Ein neues Mittleres Löschfahrzeug ist für viele Feuerwehren das Fahrzeug ihrer Wahl, wenn ein Tragkraftspritzenfahrzeug-Wasser (TSF-W) zu klein und ein Löschgruppenfahrzeug (LF) 10 zu groß ist. Wir haben die zwölf wichtigsten Fakten zum MLF zusammengestellt – schnell, übersichtlich und kompakt erklärt. Dazu stellen wir viele gängige Varianten vor.
FF Kmehlen ersetzt KLF auf einem
Barkas B 1000 durch ein neues MLF
38 Jahre hat das Kleinlöschfahrzeug KLF auf einem Barkas B 1000 bei der FF Kmehlen (Kreis Meißen, SN) seinen Dienst verrichtet. Nun wurde der Alte Schatz durch ein neues, modernes Fahrzeug ersetzt. Ein Mittleres Löschfahrzeug (MLF) wurde bei der Ortsfeuerwehr der Gemeinde Priestewitz in Dienst gestellt. Die Firma Albert Ziegler aus Giengen an der Brenz (BW) baute das Fahrzeug auf einem MAN TGL 8.180 auf. Das MLF besitzt eine Motorleistung von 180 PS und ein vollautomatisches Getriebe.
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Neben einem Löschwassertank mit einem Volumen von 1.000 Litern, einem pneumatisch ausfahrbaren Lichtmast von Fireco mit vier LED-Strahlern und einem Eisemann-6,5-kVA-Stromerzeuger besitzt das MLF auch einen Rettungssatz von Weber Rescue mit einer Schere RSU 210 Plus und einem Spreizer SP 53 BS. „Die Geräte sind akkubetrieben“, erklärt Wehrleiter Uwe Höppchen. Auch ein Satz Hebekissen sowie eine Stihl-Rettungssäge sind auf dem MLF verlastet. Auf den geliebten Barkas müssen die Kmehlener Kameraden nicht verzichten, das Fahrzeug wird als Traditionsfahrzeug in Kmehlen weiter gehegt und gepflegt werden.
Vorbildliche Beschaffung
Im Fuhrpark der Feuerwehren der Stadt Lauf (BY) mussten einige Löschfahrzeuge ersetzt werden. Dafür kamen jetzt unter anderem zwei neue MLF. Eines davon war als Ausfallreserve gedacht. In der Januar-Ausgabe vom Feuerwehr-Magazin berichten wir, wie die Feuerwehr Lauf ein Konzept fand, um dieses Fahrzeug gut in den Fuhrpark zu integrieren und möglichst vielseitig zu nutzen.
Nach fast 2 Jahren Planungs- und Beschaffungszeit konnte die FF Hohenegglkofen (BY, Kreis Landshut) in Neidling/Niederösterreich ihr neues MLF bei der Firma Rosenbauer abholen. Auf einem Iveco Daily 70-170 mit 170 PS und automatisiertem 6-Gang-Schaltgetriebe baute der Weltmarktführer einen CL-Aufbau mit integrierter Mannschaftskabine auf. Dabei gab es von Seiten der Feuerwehr keine Sonderwünsche und die bereits vorhandene Ausrüstung des alten LF 8 konnte problemlos verlastet werden.
Somit ist das Fahrzeug mit einem elektro-pneumatischen Lichtmast mit vier 42-W-LED-Scheinwerfern, einer Heckwarneinrichtung, einer Rückfahrkamera, einem 800-l-Wassertank, einer FPN 10-1000 mit automatischer Druckregelung sowie einer Schnellangriffseinrichtung mit 2x 30-m-D-Druckschlauch mit D-Hohlstrahlrohr und Mittelschaumpistole ausgestattet. Neben der Normbeladung konnten weitere Ausrüstungsgegenstände aufgenommen werden: Überdrucklüfter, 6-kVA-Stromaggregat, zehn Verkehrsleitkegel, acht Blitzlampen, zwei Faltsignale mit LED-Beleuchtung, Motorsäge mit Schutzkleidung, zwei Stative, zwei 1.000-W-Scheinwerfer sowie zwei 20-W-LED-Akku-Scheinwerfer, Erste Hilfe-Rucksack, Tauchpumpe, HiCafs-Löschgerät, Hygieneboard, Schlauchpaket C-30 für den Innenangriff, mobiler Rauchverschluss sowie Ölbindemittel.
Dazu kommt noch die Schaum-Löscheinrichtung mit Zumischer Z2, zwei Schaummittelbehältern, einem Schaumaufsatz für Hohlstrahlrohr C und weiterem Zubehör für die Brandbekämpfung mit Schaum. Die vier Atemschutzgeräte und Ausrüstung für den Angriffstrupp sind komplett im Mannschaftsraum untergebracht, der auch über eine Standheizung verfügt. Für Ausrüstungsgegenstände steht außerdem ein großer Dachkasten zur Verfügung, der über eine LED-Innenbeleuchtung verfügt.
Wie das MLF zu seinem Namen kam
Die Änderung der Bezeichnung Staffellöschfahrzeug StLF 10/6 in Mittleres Löschfahrzeug MLF im Jahr 2012 war – analog zu den Löschgruppen- und Tanklöschfahrzeugen – notwendig geworden, weil die bundesweite Einführung des digitalen BOS-Funks eine einheitliche und verbindliche Bezeichnung von Fahrzeugen des Feuerwehren, des Rettungsdienstes sowie des Katastrophenschutzes verlangt. Bei jedem Verbindungsaufbau wird die sogenannte operativ-taktische Adresse – kurz OPTA – der Funkteilnehmer auf den Displays der Funkgeräte im Klartext gezeigt. Dies erfordert, dass jeder Funkteilnehmer eine eigene eindeutige Adresse besitzt. Mit der Änderung der Bezeichnung wird zudem der besseren Sprechbarkeit der Fahrzeugbezeichnung Rechnung getragen.
12 Fakten zum MLF
Konzeptionell ist das Mittlere Löschfahrzeug MLF nach DIN 14530-25 zwischen dem TSF-W und dem LF 10 angesiedelt und schließt damit die Lücke zwischen den Typen Tragkraftspritzenfahrzeug und Löschgruppenfahrzeug. Im Regelfall wird es auf einem Fahrgestell der 7,5-Tonnen-Klasse aufgebaut. Der Bedarf ergab sich aus einer regen Diskussion während der Einspruchsberatungen zum Norm-Entwurf für das TSF-W in den Jahren 2005/2006. Ausgerichtet war es in der Konzeption auf ein Lkw-Fahrgestell mit maximal 7.500 Kilogramm Gesamtmasse, vorrangig mit Straßenantrieb, Staffelkabine und Gruppenbeladung sowie einer Feuerlöschkreiselpumpe FPN 10-1000 und einem Löschwasserbehälter mit mindestens 600 Liter, maximal 1.000 Liter Inhalt. Erstmals genormt wurde das Fahrzeug im April des Jahres 2008.
Aufgaben eines MLF
Das MLF ist ein Löschfahrzeug überwiegend zur Brandbekämpfung mit einer vom Fahrzeugmotor angetriebenen Feuerlöschkreiselpumpe, einer Einrichtung zur schnellen Wasserabgabe oder einer Schnellangriffseinrichtung, einem Löschwasserbehälter sowie einer feuerwehrtechnischen Beladung für eine Gruppe (1/8).
Die Besatzung besteht aus einer Staffel (1/5), die an der Einsatzstelle mit weiteren Kräften auf Gruppenstärke aufgefüllt wird und dann eine selbstständige taktische Einheit bildet.
Technische Spezifikationen für das Mittlere Löschfahrzeug
Als Basis für das MLF sollen handelsübliche Fahrgestelle mit Doppelkabine und Straßenantrieb verwendet werden. Ein Allradfahrgestell ist ebenfalls möglich. Auf jeder Fahrzeugseite müssen zwei Türen vorhanden sein.
Eine vom Fahrzeugmotor angetriebene Feuerlöschkreiselpumpe FPN 10-1000 muss im Fahrzeug eingebaut sein und einen A-Sauganschluss sowie mindestens zwei absperrbare B-Druckabgänge haben. Sie muss mit einem Umschaltorgan für Tank- und Saugbetrieb ausgestattet sein.
Zur schnellen Wasserabgabe müssen im hinteren rechten Geräteraum zwei C42-15- oder D25-15-Druckschläuche so in Buchten gelagert werden, dass sie schnell an die Feuerlöschkreiselpumpe angeschlossen werden können. Je nach Schlauchgröße ist entweder ein C- oder ein D-Strahlrohr anzukuppeln und ebenfalls im rechten hinteren Geräteraum zu lagern.
Noch mehr Informationen sowie eine komplette Beladeliste zu diesem Fahrzeugtyp erhaltet Ihr in unserem kostenlosen, 15-seitigen eDossier “MLF – Mittleres Löschfahrzeug” – hier downloaden!
Auch eine Schnellangriffseinrichtung erlaubt
Alternativ darf auf Wunsch des Bestellers eine Schnellangriffseinrichtung für Wasser eingebaut sein, bestehend aus einer Schlauchhaspel für a) 50 Meter Feuerlöschschlauch DN25 mit Druckkupplung C-DN-25 und C-Hohlstrahlrohr (Durchfluss bis 235 l/min) oder D-Hohlstrahlrohr (Durchfluss bis 100 l/min), oder b) 30 Meter Feuerlöschschlauch DN33 mit Druckkupplung C-DN-33 und C-Hohlstrahlrohr (Durchfluss bis 235 l/min) oder D-Hohlstrahlrohr (Durchfluss bis 100 l/min). Diese Schnellangriffseinrichtung muss im hinteren rechten Geräteraum angeordnet und mit der Feuerlöschkreiselpumpe verbunden sein sowie abgesperrt werden können. Das dazugehörende Strahlrohr ist anzukuppeln und ebenfalls hinten rechts zu lagern.
Es muss ein Löschwasserbehälter mit einer nutzbaren Wassermenge von mindestens 600 Liter eingebaut sein. Im Rahmen einer vorhandenen Massenreserve kann dieser auch bis 1.000 Liter Inhalt vergrößert werden. In der Norm wird eine nutzbare Menge von 800 Litern empfohlen. Der Löschwasserbehälter muss unmittelbar über die FPN 10-1000 mit mindestens 800 l/min gefüllt werden können.
Die feuerwehrtechnische Beladung besteht aus einer Standardbeladung, die komplett auf dem MLF vorhanden sein muss. Sie soll nach feuerwehrtechnischen Gesichtspunkten gelagert werden. Zusammengehörige Teile sind auch zusammen zu lagern und sollen ergonomisch günstig be- und entladen werden können.
Eine Zusatzbeladung nach DIN 14800-18 einschließlich deren Beiblätter kann unter Berücksichtigung der Raum- und Gewichtsreserven vorgesehen werden. Weitere Beispiele für zweckmäßige Zusatzbeladungen siehe auch in den weiteren Teilen der DIN-Reihe 14800. Die Zusammenstellung ist auf die einsatztaktischen Erfordernisse abzustimmen.
Fahrzeugdaten:
Antrieb: vorrangig Straßenantrieb
Höchstgeschwindigkeit: 100 km/h
Länge: 6.500 mm
Breite: 2.500 mm
Höhe: 3.100 mm (1)
Fahrzeugmassenklasse nach DIN SPEC 14502-1: L (Leicht, Unterklasse LII) oder M (Mittel, Unterklasse MI), darf also zwischen 4,75 t und 9 t wiegen
Feuerlöschkreiselpumpe: FPN 10-1000, 1.000 l/min bei 10 bar
Löschwassertank: 600 bis 1.000 Liter
Besatzung: 1/5
(1) Gemessen bei Leermasse, jedoch mit aufgelegter Dachbeladung.