Mit Grillspieß und Blutdruckmanschette:

Kind aus Auto befreit

Geesthacht (SH) – Dass sie improvisieren können, bewiesen die Feuerwehrleute von Geesthacht (Kreis Herzogtum Lauenburg) gestern bei der Befreiung eines in einem geparkten Auto eingeschlossenen Mädchens. Mit Drähten, Blutdruckmanschette, Kabelbindern, Plastikkeilen, Grillspießen und Klebeband konnten sie das Kind nach etwa 30 Minuten der Mutter übergeben.

Hochkonzentriert arbeiten die Kräfte der Feuerwehr Geesthacht, um eine verschlossene Autotür zu entriegeln. Foto: Jann
Hochkonzentriert arbeiten die Kräfte der Feuerwehr Geesthacht, um eine verschlossene Autotür zu entriegeln. Foto: Jann

Die Frau wollte mit ihrem Audi starten. Ihre elf Monate alte Tochter saß bereits im Kindersitz. Das Mädchen hatte den Autoschlüssel in der Hand und verriegelte über die Fernbedienung sämtliche Türen. In ihrer Aufregung bat die Mutter die Feuerwehr um Hilfe. Nach ihrem Notruf alarmierte die Integrierte Regionalleitstelle Süd (IRLS-Süd) gegen 10.30 Uhr die Feuerwehr. Zehn Frauen und Männer rückten mit Blaulicht und Martinhorn in der Oberstadt aus. 

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Schnell waren die ehrenamtlichen Retter vor Ort. Gruppenführer Jörg Obermüller erkundete die Lage: „Das Mädchen war anfangs noch sehr ruhig, es war auch nicht übermäßig heiß, so dass wir uns Gedanken machen konnten, wie wir die Rettung ohne Schäden am Pkw hinbekommen. Im Notfall wäre Plan B die Zerstörung eines Fensters gewesen.“

Die Feuerwehrmänner konnten die obere Seite der Beifahrertür durch den behutsamen Einsatz von Keilen und einer als „Hebekissen“ genutzten Manschette eines manuellen Blutdruckmessgerätes vorsichtig einen Spalt weit öffnen. Von Mitarbeitern der Wohnungsverwaltung, die gerade in der Nähe arbeiteten, liehen sie sich einen Draht. Die Mutter des Mädchens holte zwei Grillspieße. So gelang es, den Türgriff ein Stück nach vorn zu bewegen und den Ring des Grillspießes über die Griffspitze zu ziehen. Mit dem Draht als Druckmittel entriegelten die Kräfte den Mechanismus der Tür.

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Kurz nach 11.00 Uhr nahm die Mutter ihre kleine Tochter, die zwischenzeitlich zu weinen begonnen hatte, wieder in den Arm. „Am Auto ist nicht ein Kratzer entstanden“, zeigte sich Obermüller mit dem Ausgang des ungewöhnlichen Einsatzes zufrieden. „Zum Stichwort ‚Notfall Tür verschlossen’ werden wir ja oft gerufen. Das sind dann aber Haus- oder Wohnungstüren. Eine Autotür zu öffnen, erfordert nochmal ganz andere Maßnahmen“, sagte der Gruppenführer.

Die Gerätewarte wollen für die Ausrüstung auf den Hilfeleistungslöschfahrzeugen der Feuerwehr nun einen speziellen Draht mit Öse anfertigen, den sie künftig bei vergleichbaren Situationen direkt zur Hand haben.

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